EinleitungHier schreibe ich jetzt also meine persönlichen Erfahrungsberichte hin. Ich habe zu Beginn meiner Internetrecherchen selbst begierig Erfahrungsberichte gelesen. Es war immer wieder ein befreiendes Gefühl zu lesen, dass ich nicht allein mit diesen Symptomen und Problemen da stehe. Ich spinne nicht, wie beruhigend. Auch der ein oder andere längere Leidensweg gab mir Trost. Ich kann die Uhr zwar nicht zurückdrehen, aber wenigstens weiß ich jetzt, warum vieles in meinem Leben schief gelaufen ist. Ich muß nicht mehr die Schuld bei mir selbst suchen. Ich beginne diese "Memoiren" ziemlich weit hinten, nämlich zu der Zeit, als ich meine Diagnosen bekam. Je mehr ich mich dann mit den Erkrankungen beschäftigt habe, umso mehr Dinge aus der Vergangenheit wurden mir auf einmal klar. Wie ich meine Histamin-Intoleranz entdeckteWir schreiben das Jahr 2005, Weihnachten. Vor den Ferien hatte ich mich noch mit Migräne-Tabletten (Triptanen) eingedeckt, der Vorrat sollte bis Mitte Januar reichen, damit ich nicht mit allen 3 Kindern zum Arzt muß. Aber meine Migräne kam immer häufiger. Die Anfälle wurden immer schlimmer, so dass ich auch nicht auf die Einnahme einer Tablette verzichten konnte. Am 2. Weihnachtfeiertag war mein Vorrat aufgebraucht. Ich dachte an "medikamenteninduzierte Migräneanfälle", also eine Häufung der Anfälle durch zu oft eingenomme Medikamente. Also entschloß ich mich zum "Entzug". Laut Hausarzt sollte ich 3 Wochen auf jegliche Schmerzmittel verzichten. Da meine Migräneanfälle inzwischen fast schon Dauerzustand waren und ich mich dabei nicht mehr auf den Beinen halten konnte, quartierte sich mein Ex-Mann bei mir ein, um die Kinder zu versorgen. Nach einem 48-Stunden-Anfall hatte ich noch keine 24 Stunde Ruhe, da kündigte sich schon der nächste Anfall an. Ich war gerade dabei, Essen zu kochen. Das wollte ich aber unbedingt noch zu Ende bringen. Ich mußte ja auch dringend selbst noch was essen, denn unter dem Anfall bleibt ja nichts drin. Da Schmerzmittel ja tabu waren, wollte ich wenigstens die Übelkeit bekämpfen. Ich hatte Vomex Zäpfchen mit 150 mg Wirkstoff da, davon wurde ich aber immer so müde, dass ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Die Reisetabletten meiner Tochter hatten jedoch den gleichen Wirkstoff, allerdings nur 50 mg. Also nahm ich davon eine. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur ganz leichte Übelkeit, und an der Schläfe nur so ein Gefühl, noch kein Schmerz. Es war wirklich absolutes Anfangsstadium eines Anfalls. Aber nach 20 Jahren Migräne weiß man halt, wie es anfängt. Ich nahm also diese Reisetablette, kochte das Essen, aß, und oh Wunder, der Migräneanfall ging wieder zurück. Am nächsten Tag ging's wieder los, ich nahm wieder bei den allerersten Anzeichen eine Reisetablette, der Anfall verschwand wieder. Das ganze hab ich dann noch 2 mal ausprobiert. Da ich wußte, dass Mittel gegen Übelkeit Antihistaminka sind, habe ich dann im Internet mit den Begriffen "Histamin" und "Migräne" gesucht und ich fand: Histamin-Intoleranz. Ich suchte weiter, fand immer mehr über diese Histamin-Intoleranz und staunte nur noch Bauklötze. Anhand der Symptome und durch Erfahrungsberichte war mir sofort klar: Das ist meine Erkrankung. Erste Erfolge mit histaminarmer DiätIm Histaminintoleranz-Board bei Libase suchte ich mir die verbotenen Lebensmittel raus, mistete meine Vorräte entsprechend aus und hoffte auf Besserung. Die stellte sich jedoch nur teilweise ein. Ich hatte zwar davon gelesen, dass alle Lebensmittel so frisch wie möglich sein sollten, und dass nichts lange aufbewahrt werden sollte, aber sehr ernst nahm ich das nicht. Als Weltmeisterin in den Disziplinen "Vorkochen", "Aufwärmen" und "Resteverwertung" fiel mir das zunächst auch sehr schwer. Aber ich wollte ja meine Migräne loswerden, also versuchte ich es doch mit konsequenter Einhaltung der "Frische-Regeln": Ich kaufte nur noch mit Kühltasche ein, suchte gezielt Packungen mit dem längsten Haltbarkeitsdatum. Alles wurde sofort zubereitet und dann entweder sofort gegessen oder heruntergekühlt und eingefroren. Nichts stand mehr länger bei Raumtemperatur herum. Ich hörte auf, Kühlwaren auf Vorrat einzukaufen. In der ersten Zeit mußte ich natürlich öfter etwas wegwerfen. Aber auch wenn mir das sehr schwer fiel, ich habe konsequent durchgehalten. Die Belohnung war der Erfolg: Bei 4 bis 5 Migräneanfällen pro Woche fing ich die Diät an, inzwischen bin ich bei 3 bis 4 Anfällen pro Monat. Die Anfallshäufigkeit ist also um 80 % reduziert! Und noch etwas anderes passierte: Meine ständig entzündeten Nasennebenhöhlen bereiteten mir keine Beschwerden mehr. Auch die anfallsartige bleierne Müdigkeit nach mancher Mahlzeit verschwand. Inzwischen habe ich meinen Haushalt neu organisiert. An die neuen Portionen habe ich mich gewöhnt, so dass ich nur selten Reste habe. Der Gefrierschrank ist ständig gefüllt und ich gehe inzwischen sogar seltener Einkaufen als vor der Histamin-Intoleranz. Nächste Diagnose: Hashimoto ThyreoiditisNachdem ich das Histamin-Board bei www.libase.de von vorne bis hinten durchgeackert hatte, schaute ich mich weiter bei Libase um. Da gab es auch eine "Kinderecke" inkl. einer Vorstellungsrunde. Also dachte ich, ich könnte ja mal alle Beschwerden meiner Kinder da aufschreiben, vielleicht würde ja jemandem was dazu einfallen. Am 18.02.2006 schrieb ich also diesen Beitrag bei Libase, darauf bekam ich Antwort von "Cati", ich solle an die Schilddrüse denken. Da erinnerte ich mich daran, dass ich in "jungen" Jahren, so um 18 rum, schon mal für ca. 2 Jahre mit Schilddrüsenhormon behandelt wurde. Auch meine Mutter hatte eine Erkrankung der Schilddrüse. Natürlich hatte ich keine Ahnung, was ich damals gehabt hatte, halt "nur" Unterfunktion. Also las ich mir bei Libase die SD-Zusammenfassung durch. Auch im Forum www.ht-mb.de/forum fing ich an zu lesen. Und schnell war mir klar: Das isses. Ich machte einen Termin bei meinem Hausarzt und bewaffnete mich mit einem Zettel auf dem folgendes stand: Danach hatte ich eine Woche Wartezeit, bis zu dem Termin, bei dem ich die Ergebnisse mit dem Arzt besprechen sollte. In dieser Woche habe ich mich noch intensiver mit der Internetrecherche zum Thema "Hashimoto Thyreoiditis" befaßt. Als ich zum Termin ging, war ich mir bereits sicher, dass ich diese Erkrankung habe. Ich mußte sie mir nur noch bestätigen lassen. Meine einzige Sorge war, dass die Laborergebnisse nicht eindeutig genug sein könnten. Nicht, dass ich die Krankheit unbedingt haben wollte, aber ich hatte Beschwerden und für die suchte ich eine Ursache. Hashimoto war der Strohhalm, an den ich all meine Hoffnung klammerte, dass es mir vielleicht doch mal wieder besser gehen könnte. Ich hatte sozusagen Glück im Unglück: Die TPO-Antikörper waren erhöht und der TSH war im "Warnbereich". Mein Arzt wollte zunächst nicht behandeln, weil er meinte, dass ich doch eh schon so eine unruhige Natur habe, was sich durch Thyroxin noch verschlimmern könnte. Dank meiner Internetrecherche wußte ich aber, dass meine verbliebenen Beschwerden definitiv zur Hashimoto Thyreoiditis passten. Ich argumentierte dem Arzt gegenüber also wie folgt: Ich habe Beschwerden und nach den Blutergebnissen ist da ein Ansatzpunkt. Da wäre es doch ziemlich blöd, das jetzt nicht zu versuchen und stattdessen weiter nach einer Ursache für meine Beschwerden zu suchen. Das überzeugte den Arzt und ich bekam Thyroxin Fortsetzung folgt... Als Vorgeschmack aber schonmal die Überschriften der nächsten Kapitel: Familienausflug zum EndokrinologenErste Erfolge durch Thyroxin.Das letzte Jahr vor den DiagnosenDie KinderReise in die Vergangenheit |